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ÖSTERREICHISCHE FOTOGRAFIEN VON DEN 1930ern BIS HEUTE – 21er Haus 30. Jänner bis 5. Mai 2013

Fotos
Österreichische Fotografien von den 1930ern bis heute

Bernhard Fuchs Ohne Titel, 1993 Silbergelatine auf Barytpapier, 30 x 23 cm © Bernhard Fuchs, Österreichische Fotogalerie/Museum der Moderne Salzburg


Fotos – Österreichische Fotografien von den 1930ern bis heute zeigt knapp 100
künstlerische Arbeiten aus dem breiten Spektrum heimischer Fotokunst der
vergangenen Jahrzehnte, beginnend 1936 mit Herbert Bayer bis hin zu
aktuellen Positionen wie etwa Nadim Vardag. Drei Leitmotive liegen der
Werkauswahl zugrunde: die Menschen, die Dinge, die uns umgeben, und die
Linse zwischen all dem – also die Fotografie selbst. Die Ausstellung vereint
Werke aus den Sammlungen des Belvedere, der Artothek des Bundes sowie
der Fotosammlung des Bundes der Österreichischen Fotogalerie und des
Museums der Moderne Salzburg.
Fotografie ist überall

In der Kunst längst als Medium anerkannt, ist Fotografie als populäres
Kommunikationsmittel unser ständiger Begleiter. Wie begegnen wir ihr und der
ungeordneten Flut von Bildern, mit der wir im Alltag konfrontiert sind? Wie steht es um
die österreichische Fotografie heute? Und was sagt sie über den Stand der Dinge aus?
Diese Fragen bilden den Ausgangspunkt der Ausstellung, die Fotografie als festen
Bestandteil der österreichischen Kunstgeschichte lesbar macht. „Das Belvedere ist dem
österreichischen Kunstschaffen in allen seinen Ausformungen verpflichtet. Es war mir
daher seit 2007 ein besonderes Anliegen, eine Fotografiesammlung auf- und
auszubauen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, erklärt Agnes Husslein-Arco.
„Ich freue mich sehr über die verstärkte Positionierung der Fotografie innerhalb der
Sammlung des Hauses und die Präsentation in einer allein diesem Medium gewidmeten
Ausstellung“, so die Direktorin des Belvedere weiter.

Looking at things – Fotografie als Geschichte des Blicks

Nie zuvor waren die Anwendungsbereiche von Fotografie so vielfältig wie heute. Neben
künstlerischer und dokumentarischer Fotografie, Bildjournalismus, Werbung und
Wissenschaft ist die Gebrauchsfotografie nun bedeutender denn je. Vor diesem
Hintergrund wirft die Ausstellung einen genauen Blick auf das Medium und sein
Potenzial. Denn neben den oft beiläufig wirkenden Alltagsbildern existiert eine Form der
Fotografie, die die Dinge aus ihrem Gebrauchskontext heraushebt und sich künstlerisch
mit ihren eigenen technischen Möglichkeiten auseinandersetzt. Das Medium verfügt
über eine eigene Geschichte, zeigt zugleich eine Geschichte des Blicks und birgt darüber
hinaus eine Alltags-, Kultur- und Sozialgeschichte in sich. „Unser Blick im Heute kommt
nicht darum herum, unser Vorwissen in unsere Wahrnehmung einfließen zu lassen. Das
passiert auch bei geografischen Kontextualisierungen von Werken“, so Kurator Severin
Dünser. Durch den nationalen Fokus der Ausstellung schwinge auch immer die Frage
nach dem spezifisch Österreichischen mit, sei es als Resultat von Projektionen oder von
Erwartungshaltungen.

Motivfindung – Dinge, Menschen und die Fotografie an sich

Die drei bestimmenden Parameter der Fotografie liegen der Ausstellung als Leitmotive
zugrunde: Objekt, Subjekt und deren In-Beziehung-Setzen – also Dinge, Menschen und
die Fotografie an sich. Der Fokus liegt auf den Motiven, welche sich dem Betrachter frei
von thematischer oder zeitlicher Kontextualisierung, Hierarchisierung oder Chronologie
offenbaren. Fotos zeigt verschiedene Genres ohne jegliche Kategorisierung,
beispielsweise Stilllebenfotografie, künstlerische sowie dokumentarische Fotografie,
Porträt- und Aktfotografie, Presse- oder Reportagefotografie. Digitale, nachbearbeitete
Bilder finden ihren Platz neben analogen Fotos, und aus gewissen Serien werden
einzelne, isolierte Motive gezeigt. Somit steht es jedem Betrachter frei, individuelle
Zuordnungen zu treffen, Bezüge herzustellen oder für sich selbst Erzählungen zu finden.
Die eigens entwickelte Ausstellungsarchitektur von Clegg & Guttmann, deren
Zwischenwände sich an der Konstruktion des von Karl Schwanzer geplanten 21er Haus
orientieren, eröffnet immer wieder neue Sichtachsen und unterstützt so das Schweifen
durch die Schau.

Von der Stilllebenfotografie bis hin zu Foto-Fotos

Historische und zeitgenössische Stilllebenfotografie wird sowohl in ihrer klassischen als
auch in ihrer abstrakten Gestaltungsform gezeigt und legt einen klaren, lakonischen
Blick auf die Dinge des Alltags frei. Diese Objektbezogenheit kommt beispielsweise bei
Gerald Domenigs Inszenierung zum Ausdruck, in der er Schokoladekekse wie
Ziegelblöcke im leeren Raum stapelt. Oder in Robert F. Hammerstiels Inszenierungen
von Plastikobst, deren Arrangements an historische Stilllebenmalerei erinnern. Die
Abbildungen von Menschen, Blicken oder Momentaufnahmen kleiner Gesten offenbaren
Zwischenmenschliches, das u.a. in den Arbeiten von Herbert de Colle, Clegg &
Guttmann, Bernhard Fuchs und Matthias Herrmann zum Ausdruck kommt. Einige Werke
widmen sich dem Medium Fotografie selbst: „Die Insignien der Fotografen tauchen an
allen Ecken und Enden auf, seien es nun Filmdosen, Kameradeckel, Dunkelkammern als
Attribute bei Werner Kaligofsky und Paul Albert Leitner oder das Licht als Protagonist
der Fotografie bei Peter Weibel, Michael Part, Herwig Kempinger, Günther und Loredana
Selichar und Inge Dick“, erläutert Kurator Axel Köhne.

Drei Sammlungen spiegeln österreichische Fotografiegeschichte wider

Die Exponate bieten einen Einblick in knapp 80 Jahre österreichische Fotografie von
Doyens wie Franz Hubmann und Ernst Haas bis zu jungen Kunstschaffenden wie Kathi
Hofer oder Anja Ronacher. Sie stammen aus jenen Sammlungen, in denen sich das
Schaffen österreichischer Fotografen widerspiegelt: der Artothek des Bundes, die seit
Herbst 2012 im 21er Haus beheimatet ist, der Fotosammlung des Bundes der
Österreichischen Fotogalerie und des Museums der Moderne Salzburg sowie dem
Belvedere. Durch gezielte Ankäufe wurden die Fotobestände des Hauses seit 2007
kontinuierlich erweitert. Im Zusammenhang mit Die Sammlung #2, die im Obergeschoß
zu sehen ist, zeigt Fotos einmal mehr den zeitgenössischen österreichischen
Sammlungsbestand des Hauses.

C. Angelmaier
Herbert Bayer
Gottfried Bechtold
Norbert Becwar
Arthur Benda
Martin Bruch
Rosa Brueckl / Gregor Schmoll
Clegg & Guttmann
Herbert de Colle
Plamen Dejanov & Svetlana Heger
Inge Dick
Gerald Domenig
Andreas Duscha
Thomas Freiler
Padhi Frieberger
Bernhard Fuchs
Seiichi Furuya
Walther Gamerith
Robert Gruber
Eva Grubinger
Manfred Grübl
Manfred Grübl
Harald Gsaller
Ernst Haas
Maria Hahnenkamp
Robert F. Hammerstiel
Matthias Herrmann
Richard Hoeck
Kathi Hofer
Christine Hohenbüchler
Edgar Honetschläger
Dieter Huber
Franz Hubmann
Gerhard Jurkovic
Werner Kaligofsky
Eleni Kampuridis
Leo Kandl
Barbara Kapusta
Herwig Kempinger
Erich Kofler-Fuchsberger
Peter Kogler
Paul Kranzler
Richard Kratochwill
Elke Silvia Krystufek
Erich Kuss
Heimo Lattner
Paul Albert Leitner
Branko Lenart
Ernst Logar
Dorit Margreiter
Michael Mauracher
Ursula Mayer
Michael Neumüller
Martin Osterider
Michael Part
Helga Pasch
Hermes Payrhuber
Pascal Petignat & Martin Scholz-Jakszus
Friederike Pezold
Norbert Pfaffenbichler
Barbara Pflaum
Cora Pongracz
Ferry Radax
Anja Ronacher
Constanze Ruhm
Didi Sattmann
Christoph Scharff
Klaus Scherübel
Alfons Schilling
Michael Schuster
Günther und Loredana Selichar
Lucie Stahl
Hermann Staudinger
Alexander Stern
Ingeborg Strobl
Octavian Trauttmansdorff
Herwig Turk
Nadim Vardag
Christian Wachter
Peter Weibel
Manfred Willmann
Erwin Wurm
Michael Ziegler
Heimo Zobernig

FOTOS
ÖSTERREICHISCHE FOTOGRAFIEN VON DEN 1930ern BIS HEUTE
Überblicksführung
EIN BLICK AUF DIE FOTOS
Sonntags, 14 Uhr
€ 4,- (exkl. Eintritt) | Keine Anmeldung erforderlich

EXHIBITION SERIES: FOTOS #1
Die allseitig reduzierte Persönlichkeit – Redupers
(DE 1977, 16mm und 35mm, s/w, 98‘, OF)
Mittwoch, 27. Februar | 19 Uhr
Der Film Die allseitig reduzierte Persönlichkeit – Redupers von Helke Sander zeigt drei
Tage im Leben der freien Pressefotografin Edda Chiemnyjewski (Helke Sander), die mit
ihrer Tochter im Westberlin der späten 1970er Jahre in prekären Verhältnissen lebt.
Neben den Herausforderungen des Alltags, versucht die junge Mutter die eigene
Identität zu bewahren und im Beruf Selbsterfüllung zu finden. Sie engagiert sich in
einer Gruppe von Frauen, die beauftragt wird, die Stadt Berlin zu fotografieren.
Kinoticket € 5,- | Anmeldung

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